1001 Date - Leseprobe

„Also tausend Dates?"
Bettina blickte mich kurz mit diesem „Du WILLST mich nicht verstehen"-Blick an. Dann spielte plötzlich ein Lächeln um ihre Lippen. Ihre Gesichtszüge entspannten sich und sie setzte sich herausfordernd auf: „O. k., wie viele hattest du denn schon?"
„Keine Ahnung, vielleicht so zweihundert?"
„In deinem bisherigen Leben? Na also, dann hast du noch achthundert Chancen, bis du Mister Right gefunden hast."
Bettina zwinkerte mir zu. Wollte sie mich verarschen?
„Du denkst, ich mache Witze, oder?!"
„Nein, neeein", schmunzelte sie, trank ihren Orangensaft aus und stellte das Glas auf den Couchtisch.
„Du, ich muss los. Stefan und ich wollen heute Essen gehen. Wir haben Einjähriges – oh Gott, wie das klingt."
Darauf wollte ich jetzt schon gleich gar nicht eingehen. Was interessierte mich das Beziehungsglück meiner klugen, schönen Freundin.
„Weißt du was? Ich mache ein wissenschaftliches Experiment daraus."
Bettina zog ihre kurze Jeansjacke an und ging Richtung Tür.
„Ja, mach das, du ... verrücktes Huhn", zwinkerte sie mir zu. Aus dem Mund einer Seelenklempnerin klang das aber eher wie „du saftiges Stück Rinderzunge" aus dem Mund eines Metzgers.

Bettina und ich hatten uns durch die Paartherapie mit Marius kennengelernt. Sie war uns von Marius' Praxiskollegen empfohlen worden. Stefan vögelte sie und fand sie umwerfend gut.

Ihre fachliche Kompetenz konnte ich leider nicht überprüfen, denn Marius und ich trennten uns noch vor der zweiten Sitzung. Stattdessen schleppte Stefan sie mit zu meiner Geburtstagsparty.
Ich würde mal sagen, es ist nicht einfach in meinem Alter noch einen Mann zu finden, viel schwieriger aber eine gute Freundin. Und nachdem Marius mir meine geklaut hatte, musste die Lücke gefüllt werden. Und Bettina füllte sie ausgezeichnet. Sie war attraktiv, gebildet und sie mochte mich. Das waren drei Argumente, die für eine lebenslange Freundschaft mit mir sprachen. Ich selber war ja schon ganz schön toll, aber ich mochte es auch, wenn ich tolle Leute an meiner Seite hatte. Menschen, die mich auch mal bremsen. Die mir meine Flausen ausreden. Moment mal. Hatte sie das eben schon wieder versucht?
Jetzt erst recht. Wenn ich eines hasste, dann war es manipuliert zu werden. Ich würde mich durch tausend Dates hindurcharbeiten.
Ich hatte ja eh nichts zu tun und die Chance, dass da Mr. Right dabei sein würde, war groß. Tausend Männer! Na gut, achthundert vielleicht. Der Gedanke, jetzt richtig loszulegen, fraß sich wie ein hungriger Virus in mein Gehirn.Ich kannte das schon von mir. Wenn ich mich einmal festgebissen hatte, dann war ich wie ein Rottweiler, dessen Zähne sich in einem fleischigen Stück Wade verkeilt hatten. Er lässt erst wieder los, wenn man ihm den Kiefer bricht.

Mal nachdenken: Was suche ich? Ich suche die große Liebe. Herzflattern beim Treffen und Nervosität beim ersten Kuss. Dann Hingabe. Mit Herz und Hirn. Wie sollte er sein? Das ist mir im Moment erst mal egal. Ich habe ja genug Testdates, bevor ich mich festlegen muss. Was habe ich zu bieten? Ich bin Anfang vierzig, je nach Alkoholpegel sehr attraktiv, bekomme einen guten Unterhalt und meine Kinder sind am Ende der Pubertät (das hoffte ich zumindest), so dass man sie bald auch mal ein Weilchen alleine lassen konnte. Schlimmstenfalls konnten sie zu Marius. Das war der Vorteil daran, alleinerziehend zu sein. Man hatte auch mal kinderfrei und das Haus ganz für sich. Juchhu.

Definition: Was ist ein Date? Wenn ich die Tausend vollkriegen wollte, dann musste ich zumindest wissen, womit. Gilt ein Date erst ab dem Geschlechtsverkehr? Kann man einem Mann sagen: „Hey, ich muss mal mit dir schlafen, um zu sehen, ob du's draufhast."? Ich kauf' doch nicht die Katze im Sack! Aber ich konnte doch auch nicht aus statistischen Gründen mit tausend Männern schlafen! Gut, aus moralischen Gründen werde ich mich zurückhalten. Vielleicht weiß man es schon beim Küssen, ob es was wird oder nicht. Oder beim Blick in die Augen ... oder auf den Hintern.
Mal Tante Gugl fragen.

  • Beschreibung

    Frank Schätzing: "Lakonisch, eindringlich, messerscharf"

  • Beschreibung

    Als aus dem Hinterhalt auf Autos geschossen wird, beginnt eine dramatische Tätersuche ...

  • T.I.T.O. und der Tote unter der Teufelsburg - Elke Schwab Kinderkrimi

    Endlich beginnen die großen Sommerferien. Eine gute Gelegenheit für die Freunde Tanya, Torben und Iffi aus Felsberg, sich wieder einmal detektivisch zu beschäftigen.

  • Enrico Otto Das theatralische Theater

    Im modernen europäischen Theater fast vergessen: die Form des Theatralischen.

  • Beschreibung

    Berlin, im Herbst 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer ...

  • Beschreibung

    Schriller Wirtschaftsroman des millionenschweren Immobilienspekulanten 

  • Beschreibung

    Kaum ein Land der freien westlichen Welt braucht Direkte Demokratie nötiger als Deutschland ...

  • Beschreibung

    Sehnen ist nicht Mangel, das Ende des Sehnens ist Mangel.

  • Beschreibung

    Das erste Buch für Männer, die sich mit Zicken einlassen. Und für Frauen, die unter Zicken leiden.

  • Beschreibung

    Sparen Sie sich den Therapeuten! Hilfe naht. Mit dem neuen Timmerberg! Und da sage noch einer, es gebe keine Hoffnung!