Mann zu verschenken - Leseprobe

Ich bin eine Frau in den besten Jahren – JA, diesen Satz wollte ich schon immer mal sagen! Wobei ich »beste Jahre« gerne mal etwas näher definieren würde: Ich bin – sagen wir mal großzügig – Ende dreißig, sehe aber immer noch aus wie achtundzwanzig. Na gut, das nimmt mir keiner mehr ab, aber ...

seit meinem dreißigsten Geburtstag feiere ich diesen Tag nicht mehr, das erleichtert auch das Zählen. Ich habe zwei Kinder, die gerade unterschiedlich schnell wachsende Brüste entwickeln und ihre ersten Schamhaare bekommen. Nehme ich jedenfalls mal an, so genau habe ich nicht nachgeguckt. Ich weiß nur, dass ich meinen Nachwuchs nicht mehr alleine erziehe. Fiese kleine Hormone haben die Macht übernommen. Sie zwingen meine Kinder dazu, Dinge zu sagen, die sie eigentlich nicht sagen wollen, und Sachen zu tun, die sie vorher nie getan hätten. Max übte seit einiger Zeit Schultaschenweitwurf, sobald er durch die Tür trat, und hielt es mit der Ordnung und Sauberkeit bedenklich locker. Ständig musste ich ihn ermahnen, sein Zimmer aufzuräumen. Ohne Erfolg. Auf der Terrasse lagen immer noch seine Klamotten vom letzten Sonnenbad und mit seinem Fahrrad schleppte er regelmäßig Berge von Dreck in die Garage. Chrissy war anders. Subtiler. Sie boykottierte ihren Ballettunterricht ohne Angabe von Gründen und diskutierte mit mir über Ausgehzeiten, als würde der Weltfrieden davon abhängen, ob sie eine halbe Stunde später nach Hause kommen dürfte.

 

Aber das alles gehörte wohl dazu und musste vom liebenden Erziehungspersonal stoisch ertragen werden. Ach ja, und dann gab es da einen weiteren Mitbewohner in meinem Haus. Marius. Eigentlich war es ja SEIN Haus. Ich hatte ja nichts gelernt. Oder konnte man angehende zahnmedizinische Fachangestellte bis zur Geburt des ersten Kindes als »gelernt« bezeichnen? Marius sagte, ich war eine gute Fachkraft. Er konnte das beurteilen, er war schließlich Zahnarzt. Deswegen hatten wir alle gute Zähne.

 

Wenn ich damals beim Vorstellungsgespräch gewusst hätte, dass ich einmal mit Mordgedanken auf einem Alcantarasofa in einem tollen Haus landen würde, mit zwei Kindern, einem zu fetten Hamster und einer Nachbarschaft, die auch die Steinfliesen ihrer Terrasse staubsaugte, hätte ich vermutlich meinen Augenaufschlag besser unter Kontrolle gehabt. So aber war sofort, als ich Marius zum ersten Mal in seinem Besprechungsraum gegenüber saß, unausgesprochen klar, dass wir im Bett landen würden. Taten wir aber nicht. Wir landeten auf der Behandlungsliege. Und daneben. Und darunter. Und im Labor neben dem Waschbecken. Es ist schon eine skurrile Situation, wenn einen beim Orgasmus ein Gebiss vom Tisch angrinst.

Ich war aber auch ein – wie sagt man – »ziemlich heißer Feger«. Hui. Und »kein Kind von Traurigkeit«. Auf jeden Fall war ich mir meiner Reize sehr wohl bewusst. Und weil die finanzielle Sicherheit, die Marius mir bieten konnte, meiner Lebensplanung ziemlich entgegen kam, wusste ich diese Reize auch an richtiger Stelle einzusetzen. Alles war perfekt. Ich schmückte sein Ego mit meinem grandiosen Aussehen, schlagfertigem Witz und flinker Zunge – und er gab mir das, was ich von einem Mann erwartete: Geld, regelmäßige Penetration, er kannte sich mit Papierkram aus und als Kirsche auf dem Sahnehäubchen gab es sogar Liebe.

Zu Anfang war es eine leidenschaftliche Affäre. Nach Praxisschließung. Manchmal auch fünf Minuten vor Öffnung. Marius warf seine Cordhose in den Altkleidersack, rasierte sich auch am Wochenende und duftete wie ein Zwölfender in der Brunftzeit. Er WAR Testosteron pur. Es drang ihm aus jeder Pore. Wenn er mich mit seinen weichen, kräftigen Händen berührte, dann erbebte mein ganzer Körper vor Erregung. Er benutzte Kokosnussbodylotion, damit er für mich samtweiche Haut bekam. Er beschenkte mich mit süßen Schlüsselanhängern, klebte mir kleine Herzen an den Praxiscomputer und an meinen alten Golf. Er trug die Frisur so, wie ich es gut fand, und am Wochenende gingen wir in die Sauna.

Dann kam seine Frau hinter unsere Affäre. Eine nette Frau. Ein bisschen einfach vielleicht. Er hatte sie in der Uni kennengelernt. Sie war für die kleinen Reparaturen im Gebäude zuständig und ihre Aufläufe waren legendär. Weil sie sich bei einem »Tote-Hosen-Konzert« in eine Polizistin verliebt hatte, war sie gar nicht so unglücklich über die neu gewonnene Freiheit.

Als Marius direkt vom Scheidungstermin zu mir in meine kleine Zweizimmerwohnung kam, hielt er mich ganz lange fest im Arm. Ich spürte, wie sich sein Körper allmählich entspannte. Dann löste er sich, blickte mir fest in die Augen und sagte: »Ich liebe dich.« Seine Hand wanderte über meinen Arm hinunter zu dem inzwischen merklich gewölbten Bauch, den er streichelte und ihm liebevoll einen Kuss gab.

Es war unglaublich. Er zog sofort zu mir, wir bauten uns ein kleines, kuscheliges Liebesnest. Die ersten Tage verbrachten wir nur im Bett. Zum Essen schlich er sich in die Küche und presste ein paar Orangen mit seinen unglaublich zärtli15 chen Händen, bis sie unter seinem Charme all ihren Saft abgaben. Morgens briet er Bacon für mich und abends gab es die 64, die 8, die 27 süßsauer und zwei Mal Frühlingsrolle vom Chinesen gegenüber. Dazwischen gab es die 7, die 86 und die 249 aus dem Kamasutra.

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