Liquid - Leseprobe

Diesmal kam der Wagen so nah, dass sie aus dem Augenwinkel – sie wagte nicht, ihren Kopf zu heben – dessen lange Antenne sah, die die Luft peitschte. Sie kamen aus dem Süden, drehten und fuhren wieder zu-rück. Systematisch durchkämmten sie das Gebiet in Zickzacklinien von Westen nach Osten. Je nachdem, welchen Winkel sie beim nächsten Mal nahmen, konnten sie über die Stelle rollen, an der sie lag. Sie erhob sich nicht, sie robbte dicht am Boden nach Westen, um dem Gefährt zu entgehen, dessen Motor bei seinem Weg durch den Wüstensand in der Ferne wieder aufheulte. Als es weit genug weg war, sprang sie auf und rannte ge­bückt dreißig, vierzig Meter der untergehenden Sonne entgegen und warf sich, als sie meinte, der Wagen würde drehen, wieder in eine flache Mulde mit niedrigem Gestrüpp und presste sich an den Boden. Trockene Äste von Sträuchern zerkratzten ihr Gesicht, sie schmeckte Blut an den Lippen, schon hörte sie den Jeep wieder heranschlingern und drückte sich tiefer in die trockenen, brechenden Sträucher, als der Wagen sich nur einige Meter von ihrem Versteck durch den Wüstenboden kämpfte. Da hörte sie über den Motor hinweg leises Rasseln hinter sich. Ohne den Kopf zu heben, blickte sie nach hinten, zuckte zusam-men, erstarrte und nur schwer widerstand sie dem Impuls aufzuspringen und wegzulaufen: Nicht weit von ihren Füßen ringelte sich eine Klapperschlange. Sie schaute sie an, dann wiegte ihr Kopf nach links und sie sah dem Fahrzeug hinterher, die gespaltene Zunge glitt aus dem Maul und wieder hinein, das Ende ihres Schwanzes war aufgestellt, rasselte. Sie war kaum mehr als einen Meter entfernt. Es war das Fahrzeug, das das Reptil aufgeschreckt hatte. Sein wütendes Röhren. Die Stöße, die es im Boden verursachte. Als sie das begriff, atmete sie leise aus und zwang sich, ruhig liegenzubleiben, bis der Wagen weit genug weg war, und nicht direkt in wilder Panik aufzuspringen. Ohne das Tier aus den Augen zu lassen, wartete sie angespannt darauf, dass die Geräusche des Jeeps sich entfernten. Als sie meinte, sie seien weit genug, sprang sie unver-mittelt auf und lief geduckt und ohne noch einmal nach der Schlange zu sehen aus der Mulde und weiter nach Westen, weg von dem Reptil und vom Kurs der Patrouille, die, davon war sie inzwischen überzeugt, nach ihr und nicht nach irgendwelchen illegalen Mexikanern suchte, dafür war die Entfernung bis zur Gren-ze zu groß. Bis zum Rio Grande hatte sie noch gut zwei Tagesmärsche vor sich, wenn sie gut vorankam. Seit dem kleinen Nest Cornudas im Norden, wo sie ihren Wagen hatte stehen lassen, war sie bestimmt hundert Kilometer gegangen. Bisher bei Tag, was wegen der besseren Sicht leichter war, obwohl die Hitze besonders mittags und nachmittags schwer zu ertragen war. Das musste sie ändern. Sie hätte nicht damit gerechnet, dass man sie so weit entfernt von der Grenze suchen würde. Wer weiß, vielleicht erlag sie einem Verfol-gungswahn und niemand vermisste sie, keiner war hinter ihr her und was sie erlebte, war nichts weiter als eine Routinekontrolle im grenznahen Gebiet. Dennoch beschloss sie, ab sofort nur noch nachts zu gehen. Dann war es auch kühler ...
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